Gefangenschaft
Während die Westalliierten ihre
Kriegsgefangenen meist relativ schnell in die Freiheit entließen,
gerieten viele Salzburger und natürlich auch Saalfeldener in
russische oder jugoslawische Gefangenschaft. Der erste
Rücktransport von Gefangenen aus Russland traf erst am 12.
September 1947 in Österreich ein.
Für viele Kriegsgefangene und natürlich
Angehörige hieß es allerdings noch warten. Ein Liste der
Marktgemeinde Saalfelden vom Februar 1947 wies 75 Kriegsgefangene
Saalfeldner in Russland und 105 meist unbestimmten Orts Vermisste aus.
Für die Kriegsgefangenen in Russland und
Jugoslawien mussten von Verwandten eigene Gesuche um Entlassung
ausgestellt werden, denen Bescheinigungen einer der drei Parteien
über das Verhältnis des Kriegsgefangenen zur NSDAP, eine
Bescheinigung der Berufsvertretung oder des Arbeitsamtes über die
Dringlichkeit seiner Heimschaffung aus beruflichen und wirtschaftlichen
Gründen, Heimatschein und evt. Beweise über die Verfolgung
des Hitlerregimes beigeschlossen und an das Rote Kreuz gesandt werden
musste.
Doch auch für die Heimkehrer bedeutete die
Heimkehr häufig einen schwierigen Neuanfang, sahen sich diese doch
ebenso mit den widrigen Umständen in der Heimat konfrontiert, wie
es ein Zeitzeuge formulierte:
"Man muß bedenken: Die Heimkehrer waren
ja geschlagene Hunde, kann man sagen, zum Teil verwundet, zum Teil
krank, zum Teil in einem schlechten Zustand, zum Teil nicht wissend,
was sie beruflich anfangen sollen. [...] Sie standen eigentliche alle
vor dem Nichts, wenn einer nicht gerade ein Bauernsohn war oder einen
gewissen Beruf hatte, in dem man sofort wieder Fuß fassen konnte,
in manchen Handwerksberufen etwa, weil da war ein großer Bedarf
da."1
1 Interview
mit Siegfried W., Saalfelden, in: Bauer, Ingrid (1998). Welcome Ami Go
Home. Die amerikanische Besatzung in Salzburg 1945-1955.
Einnerungslandschaften aus einem Oral-History-Projekt, Salzburg.