Saalfelden unterm Hakenkreuz
Das Jahr 1938 und die Machtübernahme der
Nationalsozialisten in Österreich stellte für Saalfelden
ebenso wenig einen glatten Bruch mit allem vorher Dagewesenen dar wie
das Jahr 1945. Saalfelden war auch in den Jahren davor Schauplatz
zahlreicher illegaler Aktivitäten von lokalen Nationalsozialisten,
die ihre Wurzeln in einem breiten nationalen Lager in Saalfelden
hatten.
Die Jahre 1934 bis 1938 hinterließen sowohl
politisch als auch wirtschaftlich in unserer Gemeinde deutliche Spuren:
Bürgermeister Josef Riedler wurde durch einen kommissarischen
Leiter ersetzt, die beiden Gemeinden Land- und Marktgemeinde zur
Marktgemeinde Saalfelden zusammengelegt und die
"1000-Mark-Sperre" des deutschen Reiches brachte die
örtliche Landwirtschaft in arge Bedrängnis.
Die politischen und sozialen Spannungen dieser
Jahre machten sich auch in verstärktem Widerstand gegen den
"Ständestaat" von Seiten der illegalen
Revolutionären Sozialisten und Kommunisten bemerkbar. Dieser
manifestierte sich großteils in Verteilung politischer
Flugschriften und lässt sich aus den Eintragungen in der
Gendarmeriechronik Saalfeldens nachzeichnen. Diese
Widerstandstätigkeiten konnten auf eine relativ breite Basis
zurückgreifen, denn rasch nach einer landesweit
durchgeführten Verhaftungswelle 1936 wurden die Aktivitäten
von nachrückenden AktivistInnen wieder aufgenommen. Viele,
die sich an diesen Aktivitäten beteiltigt hatten, setzten ihren
Widerstand während des Nationalsozialismus konsequent fort und
wurden großteils 1942 verhaftet, als die Verfolgung politischer
GegnerInnen auch hierorts seinen Höhepunkt erreichte.
Der Einmarsch der Deutschen im März 1938
wurde auch in Saalfelden frenetisch gefeiert. So schmückte eine
Tafel mit der Aufschrift "Saalfelden braucht keine Juden" den
Ortseingang. Hans Großlercher, bereits seit 1925
Gemeindevertreter der Nationalsozialisten, wurde als Bürgermeister
eingesetzt. Der mit Hakenkreuzen geschmückte Bahnhof
anlässlich der Durchfahrt Adolf Hitlers im Jahre 1938 und ein
erhaltenes Foto, das Männer zeigt, die Adolf Hitler vor dieser
Kulisse die Hand schütteln sind als sichtbare Zeichen der
vorhandenen Begeisterung erhalten geblieben.